
Guten Morgen Menschen!
Zuerst einmal wird der Online-Shop erweitert - es kommen Taschen, Schluesselanhaenger und Armbaender hinzu.


Die Taschen sind aus grober Nylonschnur geflochten. Kleine kosten ca. 3 Euro, grosse ca. 4 Euro.
Diese Armringe sind eslastisch und aus denselben Perlen wie die Halsketten. Sie kosten ca. 1 Euro, genauso die Schluesselanhaenger!
Bestellt, solange der Vorrat und meine Koffergroesse reicht!
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Hier beginnt wieder mein Kultur- und Erlebnisbericht:
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Noch ein paar Impressionen, unterwegs in Toraja.





Und nun werdet ihr noch einmal eine Beerdigung ueber euch ergehen lassen muessen, zu der vor kurzem miteingeladen wurde.
Eine Familie, die ich naeher kennen gelernt habe, lud mich ein, eine Tour zu der mittelgrossen Zeremonie zu machen. Das Beerdigungsdorf war weit entfernt, genauso wie der Verwandtschaftsgrad. Aber das macht nix - kulturelle Trauer-Volksfeste sind toll! Man bekommt kostenlos Essen, Unterhaltung kann seinen sozialen Status pflegen.
Nun ja. Die Familie, die ich begleitete, brachte zur Beerdigung 2 Schweine, die wir auf einem LKW lebendig transportierten. Die Fahrt war lustig und von der erhoehten Ladeflaeche konnte ich die 3-stuendige Bergfahrt sehr geniessen, auch wenn mir die Schweine immer wieder ans Bein sabberten oder mich mit ihren gefesselten Beinen schlugen.

Bei Sonnenuntergang kamen wir in einem Dorf an, wo wir uebernachten sollten und von wo wir am naechsten Tag zur nahe gelegenen Beerdigung aufbrachen.
In dem Tongkonan ganz links schlief ich im noerdlichsten Raum, der fuer Gaeste reserviert wird.


Denn sehr wichtig in der Bauweise: Ein Tongkonan ist immer gen Norden ausgerichtet. Dort ist das Reich des Guten und des Gottes. Schlafen jedoch darf man nur auf der West-Ost-Achse, mit dem Kopf nach Westen. Im Sueden ist das Reich der Seelen, genannt Puya. Nur Tote duerfen mit dem Kopf in diese Richtung zeigen.
Das ist auch fuer die Zeremonie sehr wichtig.
Ein fuer uns Verstorbener ist im Augenblick des Herzstillstandes tot. Nicht fuer Torajaner. Fuer sie ist er nun erst einmal "krank" und wird weitergepflegt, mit Essen versorgt und im Haus bis zu mehreren Jahren aufbewahrt. Erst wenn genug Geld gesammelt wurde, kann die Beerdigung ausgerichtet werden. Am ersten Tag der Zeremonie, dem Gaeste-empfangstag, stirbt der Mensch schliesslich in dem Moment, in dem dem ersten und wertvollsten Bueffel die Kehle durchgeschnitten wird. Dann dreht man die Leiche mit dem Kopf Richtung Sueden - das Reich der Seelen. Der Tote wird nun von den geschlachteten Tieren nach Puya begleitet und nimmt dort seinen neuen Status ein, der adaequat zur Groesse der Zeremonie sein soll.
Nach dem Aufstehen wurden unsere mitgebrachten Schweine erstochen und ueber einem Feuer knusprig angebraten. In diesem Zustand wurden sie nach der lokalen Sitte zur Beerdigung transportiert. Aber nicht nur sie...

... sondern noch viele andere Gaeste nutzten die Mitfahrgelegenheit des LKWs! Das war schon eine Gaudi, vor allem als dann ein kurzer Regenguss fuer Laune sorgte.

Zur Beerdigung schien das gesamte Umland unterwegs zu sein. Viele Hunderte, sogar Tausende versammeln sich dann in dem Beerdigungsdorf.




Die Gaeste werden in Familiengruppen aufgerufen und laufen dann in einer Prozession an dem aufgebahrten Toten vorbei in das fuer sie vorgesehene ueberdachte Areal.

Vor den Gaesten laufen eine Rhythmusgruppe und traditionell gekleidete Jugendliche.

Den gesamten Morgen ueber wird von Dorfgruppen ein althergebrachter Tanz/Gesang aufgefuehrt, der den Toten begleitet. Die Leute verlagern ihr Gewicht im Takt von einem Bein auf das andere, machen Kreisbewegungen mit den Armen und singen eintoenige Vokalgesaenge. Die Sprache ist so alt, sodass mir noch niemand richtig sagen konnte, was diese Gesaenge genau bedeuten. Tja.




Nachdem viele Schweine geschlachtet und zerlegt wurden, wird direkt das traditionelle Papio'ong hergestellt. Hierbei wird Schweinefleisch, gemischt mit einem bestimmten Kraut in Bambusrohre gestopft.

Ueber kleinen Feuern ausserhalb des Festplatzes garen diese Rohre vor sich hin, bis dann der fertige Inhalt mit Reis von den Massen verschlungen wird.

Die Aussicht war grandios und leider mussten wir nachmittags schon wieder los, um noch vor Dunkelheit zurueck in Rantepao zu sein.

Die letzten 2 Wochen wurde ich vom RBM gebeten, alle betreuten Kinder fotografisch zu dokumentieren. Das erfordert jeden Tag mehr Zeit als sonst, da mir ich nun Kinder besuche, fuer die bisher nicht viel Betreuungszeit uebrig war. Und ausserdem habe ich von den 30 Mitarbeiterinnen vielleicht nur 8 regelmaessig begleitet. Bin mal gespannt, ob die Zeit noch reicht!
Im Waisenhaus unterrichte ich die letzten Male und freue mich an der Begeisterung der Kinder. Auch wenn sie noch kein fliessendes Englisch hervorbringen koennen, wird der Unterricht routinierter und ich fuehle mich wohl dabei. Lehrer sein ist nach wie vor nicht mein Traumberuf! Aber wer weiss, mein Vater wollte auch nie einer werden...
Und noch etwas wichtiges: Ab jetzt solltet ihr mir keine Briefe mehr schicken, da ich nur noch 2 Wochen hier bin!
Euch wuensche ich eine schoene Zeit im Schnee! Geniesst das Leben!
Euer Fraeulein Aaron